Die Nacht war für mich schlaftechnisch durchwachsen... einerseits ging es gestern auch recht früh ins Zelt, andererseits war ich aber auch echt ko und hatte gehofft, dass sich mein Körper einfach mal 12 Std Schlaf holt...
...NOPE! ...ich wurde anders belehrt und so war ich auch diese Nacht immer wieder lange WACH und konnte nicht wieder einschlafen.
Um 6:00 Uhr schaute ich aus dem Zelt und es war BEWÖLKT. Es war irgendwo auch angekündigt, aber man wünscht sich trotzdem einen blauen Himmel.
Ich schälte mich aus dem Schlafsack in den kalten Morgen und ging erstmal auf das OUTDOOR Klo ... auf dem Rückweg zum Zelt konnte man schon erahnen, was der Himmel gleich für ein Schauspiel liefert wird.
Und so kam es auch ... plötzlich stand gefühlt der ganzen Zeltplatz auf der Wiese und starrten in den HIMMEL.
So schnell wie das Spektakel begonnen hatte, so schnell war es auch wieder vorbei... leider blieben die Wolken zurück.
Heute hatten wir keine EILE.
Nach dem gestrigen MARSCH auf den Mt. Whitney Peak, sollte es ein ruhiger Tag, ohne viele KM werden.
Der nächste Pass... das wäre der Forester Pass... wären 23 km von hier und liegt auf 4000m. Das sollte heute mit 1250hm nicht sein.
Der Aufstieg wird auf MORGEN verschoben.
Ich hatte das Bighorn Plateau im Kopf, was nach Angaben von vielen Reiseberichten ein wirklich toller SPOT sein soll.
Das wären von hier ca. 12 km... nicht wirklich "weit" ...aber wo am Tagesende das Zelt aufgebaut wird, entscheidet sich meistens im Laufe des Tages.
Um 7:00 Uhr warf ich den Kocher an und kochte Kaffee. Es war echt frisch heute morgen und ich wickelten mein Schlafinlay um meine Beine.
Als Frühstückssnack gab es Fruchtgummis.
Und dann fing es plötzlich an zu SCHNEIEN... oder war es doch HAGEL. Zum Glück nur gefühlt eine Minute, aber erschrocken habe ich mich schon kurz.
Der Himmel machte kurz Hoffnung und die Wolken ließen den blauen Himmel durchschimmern und so fingen wir an, um 8:30 Uhr unser Lager einzupacken und aufzuräumen.
Als es um 8:50 Uhr losgehen sollte, zeigte sich der Himmel wieder zugezogen und es war kalt. Also musste Bewegung her, damit die Gräten warm werden.
Es ging wieder zurück zur Junction und über den Whitney Creek und nach links Richtung Wallace Creek.
ENDLICH wieder die Füße auf dem JMT... das Abenteuer kann weitergehen.
Wir befanden uns immer noch auf 3200 m und so blieb die Landschaft natürlich weiter alpin
An der nächste Junction ging es weiter gen Norden.
Es folgte ein kurzer steiler Anstieg, der mir kurz die PUSTE raubte, aber danach ging es "fröhlich" weiter.
Vorbei am grünen Sandy Meadow, wo es schöne Zeltplätze direkt an der Wiese gab.
Die Wolken waren heute schon sehr hartnäckig und ließen der Sonnen keine Chance. Durch die Bewegung war es zwar nicht kalt, auch wenn ich noch meine Jacke trug.
Wandern... einfach nur WANDERN ... keine großartigen Gedanken im Kopf sondern die Aussicht nach VORNE.
Das Leben kann soooo SCHÖN sein.
Am Horizont lugte dann doch immer mal der blaue Himmel hervor, was natürlich zusätzlich anspornte in die RICHTUNG zugehen. Und wenn sich auch noch die Sonne zeigte, stieg das LAUNEBAROMETER gleich doppelt an.
Um 11:00 Uhr erreichten Wallace Creek. Auch hier gab es einen etwas größerer CampSpot mit Bärenbox.
Hier waren noch auf ein paar Wanderer vor Ort.
Wir entschieden uns noch schnell über den Wallace Creek zu HÜPFEN und dahinter eine Pause zu machen.
Hinter dem Creek und bei dem Wegweiser war ein größerer Fels am Boden, der unser Pausenspot wurde. Die Sonne kam immer öfters raus und leistete uns Gesellschaft.
Offensichtlich hatte ich noch Reste von meinem Diner gestern, was ich jetzt kalt zu mir nahm... es schmeckte tatsächlich sehr gut.
Um 11:15 Uhr ging es weiter auf den Weg gen NORDEN.
Die nächste langgezogenen Steigung ließ nicht lange auf sich warten, aber oben wurde man mit einer phänomenalen AUSSICHT belohnt. Auch hier gab es eine kleine Fläche, wo ein ZELT hinpasst.
Es ging weiter stetig bergauf, aber absolut entspannt, so dass man es kaum merkte.
Die Wolken waren erneut dominant am Himmel und ließen der Sonne keine CHANCE. Ich genoss es dennoch, weil die Landschaft einfach wunderschön war.
Mir begegnete eine Rangerin, aber sie grüßte mich nur. Sie wollte kein PERMIT sehen.
Das Bighorn Plateau kam näher.
Es ging weiter bergauf und auch spürbarer. Immerhin lag das Plateau auch auf knapp 3500m.
Es war mittlerweile 12:30 Uhr ich war kurz vor dem Plateau. Die Landschaft war recht trocken und ich hatte das leichte Gefühl, dass es nicht soooo schön sein wird, wie ich es auf Bildern im INTERNET in Erinnerung hatte.
Die blühende Jahreszeit war auch vorbei.
Und dann sah ich den Bighorn Lake, um den sich hier alles dreht.
Also, das Panorama mit der Gebirgskette im Hintergrund ist schon SCHÖN. Aber irgendwie flashte mich das ALLES nicht.. außerdem fegte hier ein ordentlicher Wind durch.
Nachdem ich kurz auf Kai gewartet hatte, beschlossen wir einstimmig, dass es weitergehen wird.
Der nächste ansprechende Spot laut FarOut lag am Tyndall Creek.
Dahinter kam bis zum Forester Pass kein Spot mehr, der in der App ausgewiesen war. Was jetzt nicht bedeutet, dass es keine Möglichkeit mehr gibt. Es gibt darüber lediglich keine Informationen auf FarOut.
Um 13:30 Uhr kam das Schild mit dem Hinweis, dass Tyndall Creek nicht mehr weit war.
Ich muss gestehen, dass es mir schon in den Beine kribbelte, als ich sah, dass der Forester Pass "nur" noch 5,0 mi entfernt war und mit der jetzigen frühen Uhrzeit durchaus zu schaffen.
... auch wenn noch 680 hm dazu kamen.... und der Abstieg ... aber gut... es war entschieden HIER zu bleiben.
Also ging es noch über den Tyndall Creek zu den Campspot.
Nach knapp 15km und 3:51 std Laufzeit beendete ich heute meinen Track.
Ich suchte nach einem schönen Spot.
Es waren schon recht viele Hiker hier und als ich zwei schöne Plätze gefunden hatte, kam ein Herr an und sagte recht forsch und bestimmt, die seien schon besetzt...ich solle mir was anderes suchen.
Ich war etwas verdattert, aber er holte einen Rucksack und was anderes und warf es auf die freien Plätze.
Es kam mir kurz vor, wie auf Mallorca, wo man sein Handtuch auf die Liege bringt und dann erstmal frühstücken geht.
Ich bin kein FAN von derartigen Verhalten und mag auch keine überfüllten Spots in der Wildnis.
Der Bereich hier am Tyndall Creek war aber dafür ausgelegt und hatte mehr Fläche für Hikers und Bärenboxen.
Ich fand ein Stückchen weiter ein schönes Plätzchen und "blockierte" es mit meinen Sachen.
Erstmal HINSETZEN und DURCHATMEN. Es gab eine Tüte Snacks und ich erfreute mich an der Sonne, die es mittlerweile durch die Wolken geschafft hatte.
Das Zelt wurde nebenbei langsam aufgebaut.
Um 15:30 Uhr beschlossen wir zu dem Ranger Häuschen zu gehen, was auf dem Weg ausgeschildert war.
Es ging den Weg wieder ein Stück zurück zu der Junction und von da sollten es ca. ein KM sein.
Der Weg war vollkommen eben, aber zog sich richtig in die LÄNGE. zumindest gefühlt.
Nach 25 min kam plötzlich das Haus in Sicht.
Es war sogar jemand "zuhause" und es gab einen sehr nettem "RangerTalk" (Bilder machen war uns erlaubt!)
Ich habe leider seinen Namen vergessen, aber er war sehr auskunftsfreudig.
Seit mehreren Jahren verbringt er den Sommer, für ca. 6 Monate hier ALLEINE in der Wildnis.
Er hat keinen Kontakt zur Aussenwelt, außer seinen Satellitenmessenger. Er bekommt zu Beginn des Aufenthalts alles was er für die gesamte ZEIT braucht... per Mulis.
Sein Gebiet, was er quasi kontrolliert, ist groß und er ist auch oft tagelang unterwegs… UND das die ganze Zeit alleine.
Auf der einen Seite fand ich das sehr faszinierend, auf der anderen Seite auch sehr extrem. Das muss man können und WOLLEN
Zum Abschied bedankten wir uns und gingen den Weg wieder zurück.
Am Zelt nahm ich mein Filterequipment und ging zum Creek.
Es war so unglaublich schön hier, dass ich lange sitzen blieb.
Etienne war auch wieder hier, der mal "wieder" halbnackt (eine Unterhose trug er schon) im eiskalten Wasser saß.
Meine Hochachtung... denn ich würde das NIE aushalten.
Für ihn war es ein Ritual zum Abschluss der Wanderung.
Ich genoss das Wasser nur mit meinen Füßen und träumte vor mich hin.
Gegen 17:30 Uhr kochte ich mein Diner am Zelt.
Sobald die Sonne tiefer sank und der Schatten dominierte wurde es immer schnell kühl.
Nachdem ESSEN machte ich mich bettfertig und schlüpfte ich ins ZELT.
Es war 18:30 Uhr als ich im Zelt lag und noch ein bißchen in meinen "Buch" (App) las.
Gute Nacht Day FOUR
24.08.2024
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Statistik
Crabtree CG to Tyndall Creek
Tages-KM : 14,63
Gesamt-KM : 76,66