Ich weiß nicht mehr, ob es mein Wecker war oder ich von alleine wach wurde... aber um 23:30 Uhr war ich wieder wach

Ich schaute aus dem Zelt und es war natürlich dunkel... und natürlich sehr frisch. 

Das Gute war, dass wir Vollmond (oder knapp davor oder dahinter) waren ... jedenfalls war es durch den Mond nicht komplett DARK.
Ich stapfte zum Klo, was auch im Dunkeln seinen Charme hatte.

Zurück am Zelt wurde der Rucksack noch mit den Lebensmitteln gefüllt, die über Nacht natürlich im Bärenkanister verstaut waren.

Meine dünnen Merinohandschuhe zog ich unter meine Trekking-Gloves.

Das Zelt machte ich zu... irgendwo habe ich zwar mal gelesen, dass man das Zelt lieber offen lassen sollte, weil so nette kleine Marmots sich gerne durch Zeltplanen nagen, um ins Innere des Zeltes zu gelangen. 

Diese Vorfälle sollen sich aber eher am Guitar Lake ereignet haben und so vertraute ich darauf, dass es hier am Crabtree CG nicht passieren wird.
Um 0:20 Uhr waren wir startklar und es ging los.

Es ging zur Junction, dort über den Whitney Creek und weiter auf dem kurzen Connector Trail auf den John Muir Trail ... es war also der erste MOMENT, wo ich in den namengebenden Trail betrat.

Der Wegweiser zeigte mit 7,5mi die Richtung zum PEAK... 12 km und 1400 Hm liegen ab HIER  vor uns  ... es war klar, dass es nicht einfach werden wird.
Die Kälte, die Müdigkeit und die Höhe machen die Wanderung zu einer Herausforderung.

Auch war ich noch NIE über 4000m in meinem Leben.

Es war kalt und ich hoffte, dass mir durch das Gehen/ Wandern warm werden wird.
Es ging gut voran, da es zu Beginn auch nicht so steil war.

Vorbei am Timberline Lake, der still und ruhig im Dunkeln lag.
Trotz de Kälte und der Dunkelheit genoss ich es noch. Ich mag die Dunkelheit. 

Hinter und vor mir waren Lichterkegel in Sichtweite. Andere Wanderer, die sich an den Aufstieg im Dunkeln wagten.

Um 1:40 Uhr waren ich kurz vor dem Guitar Lake und hatten für ca. 4,5 km und 250 hm 1:40 std gebraucht... eine gute ZEIT.

Hier setzte ich meinen Rucksack ab und wartete auf Kati... ich gönnte mir einen kleinen Snack, den HUNGER hatte ich null.

Am Guitar Lake waren weitere Wanderer, die hier augenscheinlich übernachtet hatten und offensichtlich ihre Wanderung auf den höchsten Punkt des Trails starteten.

Die Pause war nur kurz... für mich... ich wollte weiter.

Ich habe nicht allzu viele Bilder gemacht, weil es die Qualität einfach nicht hergab. 

Mitten auf den Switchbacks, die zur Junction führte durchbrach ich die 4000er Marke. Das war schon ein cooles Gefühl, da ich noch NIE zuvor so hoch gewesen bin ...zu Fuß! 

Leider wurde leider immer KÄLTER, trotz der Bewegung. Ich schob mich dennoch weiter die Switchbacks hoch und fror still vor mich hin...  ich spürte meine Finger kaum noch ...

Um 4:15 Uhr erreichte ich die Junction, wo es links zum Mt. Whitney hoch ging  und nach rechts runter zum Whitney Portal.

An der Junction standen viele Rucksäcke und Bärenkanister. Ich vermute (und weiß es eigentlich auch), dass die meisten Sachen Wanderern gehörten. Keiner hatte Lust sein ganzes Gepäck den Mt. Whitney hoch zuschleppen. War auch unnötig, denn da oben brauchte man die meisten Sachen NICHT.

Das war also eine gängige Praxis, dass hier der unnötige BALLAST zwischen geparkt wurde.

Für die SOBO Hiker war der Mt. Whitney das ENDE ihrer Wanderung auf dem JMT… danach ging es die knapp 2000hm RUNTER zum Portal.
Für uns ist der Mt. Whitney PEAK im Prinzip der START unserer Wanderung auf dem John Muir Trail.

Für mich hätte es hier auch „ENDEN“ können,, also der Aufstieg zum Mt. Whitney ...

Mir war ARSCHKALT … ich weiß nicht, ob ich schon jemals so gefroren habe in meinem LEBEN ... ich spürte meine Finger nicht mehr und die Kälte fraß sich durch meine Kleidung … auch pfiff der WIND hier an der Junction gnadenlos und es fühlten sich an, wie -20° C ...

Ich wußte kurzfristig nicht wohin mit mir und suchte mir eine windgeschützte Ecke… ich setzte mich auf einen STEIN und wartete...

Das saß ich also, zitternd und frierend und mit den Gedanken schon auf dem Rückweg nach UNTEN...  SCH##ß auf den Berg ... 

Ich spürte meine Finger seit bestimmt einer Stunden nicht mehr und malte mir schon aus, dass ich sie verlieren könnte.

JA, es war schon echt krass und ich wollte einfach nur, dass die SONNE aufgeht und es warm wird... oder WEG.

Nach ca. 10-15 min kam Kati an die Junction... ich muss ausgesehen haben, wie ein Häufchen Elend  ... ich klagte mein Leid und dass ich NICHT weiß, ob ich es weiter schaffen würde.

Kati fror auch, aber ermutigte mich, dass wir zusammen weitergehen ... step by step  ... ohne DRUCK  ... 

Es sei auch völlig egal, ob wir es zum Sonnenaufgang schaffen oder nicht...
Ich zog mir noch meine (eigentlich) Schlafhose über meine Tight, die  ich zum Glück noch eingepackt hatte. Die Hose anzuziehen ohne Gefühl in den Fingern war allerdings ein AKT  ... und die Schuh zubinden erst!

Es ging also weiter auf den letzten langezogenen Switchback hoch und ich blieb gefühlt alle 50 m stehen und pustetet warme Luft in meine Hände.

Wir kamen nur langsam voran, was unter den Umständen aber völlig egal und vermutlich auch normal war.
Der Weg wurde sehr steinig und führte quasi am RIM entlang. 

Die Sicht zur "Sonne" war uns durch eine Felswand versperrt. Auf der anderen Seite ging es stellenweise steil nach unten. 

Der Wind drückte uns quasi gegen die Felswand, ZUM GLÜCK. Ansonsten hätten einzelne Böen durchaus gefährlich werden können.
Manchmal gab es ein "Loch" in der Felswand und wir konnte gen Osten gucken.

WOW, das war ein Anblick.

Ich konnte nicht wegschauen, aber wollte natürlich auch weiter. 

Die Kälte blieb unerbittlich und machte alles doppelt anstrengend... und dann auch noch die HÖHE, dessen Unannehmlichkeiten (Kopfschmerzen, Schwindel usw.) ich NICHT spürte.

Für den Abschnitt zwischen der Junction und dem Peak haben wir  1/2 - 2 std. gebraucht.

Aber dann kam der Moment, womit ich FAST nicht mehr gerechnet hatte (dass ich ihn erlebe) als das SHELTER ins Sichtfeld kam und mit gleichzeitig die SONNE, die am aufgehen war ...

NO WORDS NEEDED !!!

Mir liefen die TRÄNEN übers Gesicht und ich rannte fast auf den letzten Metern.

MADE IT !!!

Es war ein unbeschreibliches GEFÜHL der FREUDE, ERLEICHTERUNG und ERFOLG.

23.08.2024

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