Es war wieder kalt heute Nacht, aber ich schaffte es trotzdem meine Arme kurz aus dem Schlafsack zu pellen, das Zelt aufzumachen und um 1:20 Uhr rauszuschauen. 

Ich muss mich dafür kaum bewegen, da ich mit meinem Kopf direkt neben dem Zelteingang liegen. 

Der Anblick war einfach wunderschön und ein Foto kann die Schönheit des Nachthimmels nicht ansatzweise wiedergeben...

Nach ein paar Minuten Staunens, mache ich die Augen wieder zu und erst um 6:00 Uhr wieder auf.

Obwohl, das wäre gelogen. Denn durchgeschlafen habe ich bis 6:00 Uhr bestimmt NICHT.

Wie gesagt, es ist kalt und ich will eigentlich nicht aufstehen. Es ist JEDEN Morgen eine kleine Überwindung sich aus dem warmen Schlafsack zu schälen und aufzustehen. 

Zum Glück habe ich einen SEHR guten Grund und damit fällt es mir gleich leichter.
Schnell hole ich den Bärenkanister und setze Wasser auf. Das Wasser ist in meiner Flasche tatsächlich leicht angefroren, aber es kommt genug raus für meinen Kaffee.

Es läuft wieder vieles paralell... Frühstücken, Zelt abbauen, Rucksack packen und ZÄHNE putzen.
Um 8:50 Uhr geht es heute LOS.

Schnell wird das Gelände offen und es geht ohne Schatten mit leichten Füßen über den sandigen Weg.

Heute Morgen steht der Forester Pass auf der To Do Liste. 

Auf den nächsten 8 km geht es 680 hm bergauf.

Der Forester Pass ist mit seine 4000 m der höchste PASS und der zweithöchste Punkt auf dem JMT.

 Der Weg war unverkennbar und es ging stetig weiter bergauf, aber recht smooth.

Trotzdem merkte ich, dass ich mich auf 3500m befand. Die Belastung war schon anders, was ich an meiner Atmung merkte. Aber nicht beunruhigend.

 Ich ging also immer weiter... blieb stehen, schaute mich um. Es war wie so oft WUNDERSCHÖN. 

Beim Blick nach vorne fing ich schon an zu überlegen, wo der PASS jetzt genau sein könnte. Aber es war noch zu früh, um einen Weg auszumachen.

Hier floss noch überall Wasser durch kleine Ärmchen von den Lakes. Es gab hier keine Trinkwassernot.
Dann huschte vor mir plötzlich ein kleines Wesen über die Felsen.

Eine PIKA Maus ... leider ohne Foto.

Ich hatte mittlerweile die Jacke ausgezogen, da die Sonne und die Steigung ausreichend wärmten.

Ich schaute auf meine Garmin und sah, dass ich eine Nachricht hatte. Die war von Kati und sie bat um eine Pause. Ich brauchte eigentlich keine, aber schrieb zurück, dass ich warten werde.

So stoppte ich an einem Felsen bei 3700 m und setzte meinen Rucksack ab.

Ich schaute auf meine Maps, wo ich genau war und wie weit es noch zum Pass ist.

 2,7 km ... also ein Katzensprung 

Nach ca. 15 min war Kati da. Wir schnacken kurz und ich wollte gerne weiter. Wir verabredeten uns für OBEN.

Die "Wand" kam näher und ich schaute immer wieder suchend nach oben, ob ich den Trail erkennen konnte ... aber ich erkannte immer noch NICHTS.

Die Aussicht, wenn man sich umdrehte, war nicht zu verachten. Die Seen ruhten in blauglänzend in der SONNE.

Es wurde steiler und teilweise unebener auf dem Trail. Auch die Switchies waren wieder am Start  

Die Aussicht war echt herrlich und man hätte gar nicht bis hoch zum Pass gemusst, um die Schönheit zu genießen.

Noch 170 hm und wenn man genau hinschaute, konnte man den Trail erkennen, auf dem man gekommen war.

Der See, der mich die ganze Zeit beim Aufstieg mit seiner Schönheit begleitet, hat offensichtlich keinen NAMEN... Ich habe zumindest keinen gefunden

Ich ging kontinuierlich weiter und stoppte immer nur kurz für ein Foto.

Ich kam dem Pass immer näher und es war stellenweise gut windig.
So langsam erkannte ich, die letzten Switchbacks, die in der Wand vor mir aufkamen.

Nur eine unnötige Randbemerkung: Dieses Stück ist für PCTlers, die NOBO laufen und oft schon im Juni hier sind, eine sehr gefährlich Stellen. Dann liegt hier alles voller Schnee und der "Abgang", sollte man wegrutschten, kann zu fies ausgehen.

Heute bestand keine Rutschgefahr, sondern Motivation auf den letzten Metern nochmal Gas zu geben.

Um 12:09 war ich OBEN. Ich stand erneut auf 4000 Höhenmeter übe den Meeresspiegel und das Gefühl es geschafft zu haben, war GROßARTIG.

Hier oben waren noch einige andere Wanderer, die ihren Aufstieg genossen und man feierte sich gegenseitig.

Auch Chris, ein Kompagnon von Etienne, war hier oben und wir unterhielten uns.

Hier oben traf ich auch auf Ashley. 

Sie war schon länger hier oben und schaute immer wieder runter, von wo auch ich gekommen war. Sie wirkte besorgt und so sprach ich sie an.

Sie warte schon ne kleine Weile auf ihren Partner. Der sei ziemlich schwer bepackt, da sie ihr ersten Re-Supply erst an der Muir Ranch machen. Das bedeutet ca. 9-10 Tage Essen im Backpack, wen man vom Cottonwood Pass/ Lakes gestartet war. 

Außerdem hat er wohl ein wenig Probleme mit der Höhe ...blödes Gefühl und ich wünschte ihr, dass er zusammen mit Kati hier erscheint

Ich schaute immer wieder nach Kati und irgendwann erschien sie auch auf den letzten Metern vor dem Forester Pass

Der Freund von Ashley war leider nicht dabei...

Auch sie machte ein Bild, wie ich in der Felswand stehend, ausschauend auf sie wartete.

Sie kam ca. 10 min nach mir an und es folgte wieder eine Fotosession, mit anschließender Snack Verzehrung. Wir gönnten uns eine längere Pause.

Nach 45 min oben auf dem Forester Pass sollte es so langsam weiter gehen.

Ich hätte gerne an einem Lake hinter dem Forester Pass übernachtet, aber das hätte vorausgesetzt, dass wir erst am Nachmittag den Pass überquert hätten. Jetzt war es einfach noch zu früh am Tag, um schon ein Lager aufzuschlagen.

Um 12:45 Uhr ging es wieder runter vom 4000er.

Es folgten gleich unzählige Switchbacks und ich flog quasi runter. Auch kamen mir viele Wanderer entgegen, die sich Schritt für Schritt nach oben kämpften.

Ich kam richtig in Flow und es fühlte sich so einfach an, hier runter zu "laufen".

 Die Aussicht auf die Seen war auch wundervoll... ich liebe das so.

 Und dann ging es um eine KURVE und der Blick ins Tal wurde frei WOW.. das war richtig richtig TOLL.

Und so schnell hat man 300 Höhenmeter verloren.

Der Weg runter war aber nicht nur "fein"... es gab auch Stellen mit LOOSE Gravel. Da es aber nicht so steil war, konnte man ganz gut drauf laufen bzw. es auch umlaufen.

Ich erreichte die erste gut gefüllte Wasserquelle und setzte meinen Rucksack ab. Hier wurde gefiltert. 

Das ist übrigens ein KULA CLOTH - ein wiederverwendbares antimikrobielles Pinkeltuch Sehr praktisch, da ich in der Wildnis keine Klorolle mitschleppe.  

Das Filtern hat ungefähr 15 min gedauert und dann ging es auch schon weiter.

Es war einfacher HERRLICH und ich genoss jeden STEP ... auch auf den losen Steinchen.

Es wurde wieder grüner und auf 3400 m auch ebener. Ich waren bis jetzt ca. 13 km und gute 5 Stunden vergangen.
Ich kam an einigen hübschen Spots vorbei, aber es war immer noch zu früh.
Bald wurde es waldiger und man verschwand wieder unter Bäumen.

Trotz der „wenigen“ Kilometer heute, machte ich mir langsam Gedanken, wo wir heute Nächtigen wollen. 

Morgen stand der Kearsarge Pass an und dann folgt auch schon das erste Re-Supply UND der erarbeiteten ZERO-Day.
Dadurch, dass wir am ersten Tag gleich weiter gelaufen sind, als geplant, haben wir uns quasi einen ganzen freien Tag OHNE Wandern erwirtschaftet. 

Heißt, aber auch, dass morgen „nur“ der Hike bis zum Onion Valley ansteht und uns ÜBERMORGEN von dort das gebuchte Shuttle nach Independence zum Mt. Williamson fährt.
Also hieß es „Kräfte einteilen“ und so langsam nach einem Spot suchen.

Ich fand eine Lichtung beim Bubbs Creek, die mir gut gefiel und setzte meinen Rucksack ab. Ich wollte erst noch auf Kati warten, bevor ich mich häuslich einrichte.

Kati erschien und es gefiel ihr. Es gab auch wenig, was einem hier in dieser Gegend nicht gefallen könnte.

Es war "erst" 15:20 und wir setzten uns noch ne Weile hin bevor wir das Zelt aufbauten.

Danach wurden die Zelte aufgebaut und die "abendliche" Routine gestartet.

Zum Wasser filtern ging es zum nahgelegen Creek.
Das Wasser war kalt, klar und FRISCH ...auch heute reichte es nur für ein Fußbad.

Zum KOCHEN ging es ein Stück abseits der Zelte. 

Mit untergehen der Sonne und mehr Schatten, wurde es auch wieder frischer.

 Und dann kam Ashley vorbei... mit ihrem FREUND! 

Er hatte es geschafft und fand die ganze Aufregung um ihn total unnötig. 

Ashley war sehr talkaktive, so dass sie vielen  Wanderer heute von ihrer Sorge auf dem Forester PASS berichten hatte .

Er stapfte vorbei, während Ashley noch unbedingt ein SELFIE mit uns wollte.

Ich folge ihr mittlerweile auf Facebook und sie ist gefühlt jeden Tag auf Bergen unterwegs.

Es hielten noch ein zwei andere Wanderer an, die sich neben uns niederlassen wollten, aber sich dann doch umentschieden.

Auch Ashley + Anhang gingen weiter, da sie eine Bärenbox für ihr Essen benötigten. Die gab es hier offensichtlich nicht und so blieben wir alleine. 

Ich genoss die RUHE. 

Die Sonne war schon hinter den Bergen verschwunden und so zog es mich nach der Abendtoilette auch ins ZELT.

Ich las noch ein bisschen, bevor ich mich zum Einschlafen motivierte.


Gute Nacht Day FIVE

25.08.2024

-------------------------------------------------------

Statistik

Tyndall Creek to Bubbs Creek

Tages-KM : 16,05

Gesamt-KM : 92,71

Kommentare
* Die E-Mail-Adresse wird nicht auf der Website veröffentlicht.